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Mit der Mooney über den Atlantik

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Mooney und der Eyjafjallajökull – im Mai 2010

27. April 2012 · Keine Kommentare

Nun hat auch die Luftfahrt ihre Schweinegrippe, sie heißt Eyjafjallajökull! Seit dem ersten Husten des Vulkans werden wir mit Sperren von Luftraum und Flughäfen beschützt. Was wenn der Vulkan noch Jahre so weiter macht?

Die großen “Bedrohungen” der letzten Jahre  haben oft zu vergleichbaren Überreaktionen geführt haben (1970 hatte uns der Club of Rome die Grenzen des Wachstums vorausgesagt – seitdem ist die Industrieproduktion um ein Vielfaches gestiegen, das Waldsterben ist letztlich ausgeblieben, das Ozonloch scheint jetzt wieder vergessen, trotz CO2 Problem mit zugehöriger Klimaerwärmung hatten wir schneereiche Winter; der Vogelgrippe verdanken wir Hunderttausende von Atemmasken, der Schweinegrippe Millionen von Impfdosen ….). Ich fürchte nur, dass diesmal niemand daran verdient, der Flugverkehr ist ja nicht wirklich zu ersetzen.

Zwei Wochen zuvor hatte mich der erste Vulkanausbruch noch Tage in den USA festgehalten, diesmal fliegen wir  zur Convention der US Skigebiete mit der Mooney Ovation N921KT – einem einmotorigen Reiseflugzeug – und nicht mit Linie. In der Hoffnung dass uns die Vulkan-bedingten Sperren der Lufträume nicht mehr betreffen werden. Das ist nicht unbedingt die schnellste Art zu reisen, bietet aber deutlich mehr an Eindrücken. Wir hatten jedenfalls die Gelegenheit den Vulkan aus unmittelbarer Nähe zu bewundern:

Eyjafjallajökull bei der Arbeit

Die Asche färbt den Schnee braun

Die Aschewolke zieht nach Süd-Osten und verdünnt sich zusehends

Es ist meine dritte Atlantiküberquerung, trotzdem sind neuerlich hunderte von Seiten über Regularien zu lesen und die aktuellen Karten zu besorgen. Insbesondere die Einreise in die USA mit dem Privatflugzeug ist kompliziert geworden. Das Flugzeug benötigt eine Zollplakette (decal), um die zu bekommen muss man einen Account anlegen, die Jahresgebühr bezahlen und warten (die Decal Nummer benötigt man fürs EAPIS). Man legt einen Account bei EAPIS  an (dem electronic advanced passenger information system), besorgt Visa für alle Mitflieger etc. Mit  Rettungsboot, Satelliten Telefon, Notration, Signalraketen und PLB (Personal Locator Beacon, ein Notsender der im Falle die GPS Position an einen Satelliten sendet) sind wir gut ausgerüstet. In Summe kommen schon einige Tage an Vorbereitung zusammen.

Theoretisch kürzeste (16.000 km) und geflogene Route (19.000 km)

Unser Plan führt uns am ersten Tag über einen Tankstopp in Wick (Schottland) bis nach Island, wo wir übernachten wollen.

Schönstes Wetter beim Abflug in Innsbruck

Sichtabflug Richung Westen

über das Karwendel

PIC & CO

Ankunft über Schottland nach 6 h 40′ Flugzeit

Tankstopp in Wick

Wir treffen hier zwei Diamond DA 42 aus Österreich, Martin und Mathias sind auf Überführungsflug damit. So haben wir auf dem zweiten Leg nach Island etwas mehr Unterhaltung. Nach knapp 4 h 30′ erreichen wir Island, das unter einer Wolkendecke liegt. Wir werden im Norden am schlafenden Vulkan vorbeigeleitet.

Eyjafjallajökull schläft im Hintergrund

schlafend aus der Nähe

Wir übernachten in Island und sind am nächsten Morgen wieder abflugbereit. Leider ist heute – Freitag – ein lokaler Feiertag in Grönland, unserem nächsten Tankstopp. Wir beschließen mit Mathias und Martin in Formation zu fliegen und uns die Öffnungsgebühr (die man in Grönland am Feiertag verlangt) zu teilen.

bereit zum Abflug in Reykjavik

Grönland empfängt mit Eis

Schnee und Eis auch über Grönland

Grönlands Gletscher bei der Schollenproduktion

Flughafen Narsarsuarq – hier gibts keine Alternative dazu

ein unkonventioneller Endanflug über die Bauarbeiten auf der verkürzten Piste

der teuerste Flughafen der Welt

Martin & Mathias von Diamond beim Sprit bunkern

Hier herrscht noch Seeräuber Mentalität, ich wünsche niemandem dass er an einem Feiertag in Grönland landen und tanken muss.

Ausflug über den Fjord in Richtung Kanada – für 1.200 km Wasserstrecke

Kanada – Goose Bay empfängt mit minimalen Sichtbedingungen

nasskaltes und unfreundliches Wetter in Goose Bay

Wir sind gerade noch rechtzeitig, um in Goose Bay etwas zu essen zu bekommen. In Richtung Westen zu fliegen ist ja etwas einfacher, da man mit jedem Leg Zeit gewinnt. Am nächsten Morgen – Samstag – sind wir schon um 06:00 Uhr auf, ich checke das Wetter (ist besser geworden) und meine EMails. Wir haben Glück, unser Passenger Manifest bei EAPIS ist angenommen worden, das Ansuchen per Web Service hatte mich am Vorabend noch 1,5 Stunden gekostet. Mit einem Anruf beim lokalen Zoll in Houlton avisieren wir unsere Ankunft um keine Probleme mit dem CBP Officer zu haben und starten.

Wurde beim Abzug der Luftwaffe aus Goose Bay offenbar hier vergessen

Einreise in die USA

Wir fliegen hier unseren ersten IFR Approach auf einen unkontrollierten Flughafen. Es gibt keinen Tower, man setzt Blindmeldungen über seine Position ab, horcht ob sich noch wer im Platzverkehr befindet und landet. Sehr ungewöhnlich für uns Europäer, aber es funktioniert bestens (geschlossene Flughäfen sind in den USA unbekannt!!). Houlton ist ein kleines Nest an der Kanadischen Grenze. Wir rufen den Zoll an und müssen im Flugzeug sitzen bleiben, bis nach 1/2 Stunde zwei Officer kommen. Nach einer weiteren halben Stunde sind wir offiziell eingereist, Papiere kontrolliert und Slip im Pass eingeheftet. In Summe sehr freundlich und nett.

Blaulicht Taxi

Ab hier beginnt das fliegerische Paradies. Wenn der Sprit in Europa Euro 2,20 pro Liter kostet, in Grönland gar Euro 3,-, so bezahlt man in den USA unter Euro 1,– pro Liter. Die Flugplanaufgabe macht man in 10 Minuten über eine kostenlose Telefon Nummer, und eine Rejection wegen eines unzulässigen Routings gibts nicht, der Briefer hilft mit viel Geduld und Freundlichkeit. Wir fliegen unseren zweiten Leg des Tages und wollen nach Baltimore, das liegt auf halber Strecke nach Florida.

In der Einflugschneise des JFK – die Airliner kreuzen unter uns Richtung New York

vorbei an New York nach Baltimore – die busy Washington Area

Landung in Martin State – Baltimore

Wir haben hier unser erstes Dinner im Freien, bei +30 Grad Außentemperatur. Ich versuche Crab Cakes, eine Spezialität in Maryland. Nach einer kurzen Nacht geht es am nächsten Tag weiter zu unserem finalen Ziel in Florida.

Anflug auf den Airport Kissimee – benachbart zu Orlando International

Ein Flughafen ist hier in den USA eine normale Verkehrsfläche, Du kannst Dich mit dem Auto am Flugzeug abholen lassen (Achtung: Linie funktioniert anders!!). Und es ist herrlich was hier so alles herumsteht.

Hier raucht das Flugzeug – nicht der Pilot

und der wartet auf ein neues Leben

unser Ausflug nach Miami – zum Beweis der Temperatur Frage = +35° Celsius

Lukas beim Brunch in Miami Beach

Ready to Go in Orlando für den Rückflug nach Innsbruck

Gewitter beim Abflug aus Florida

später wird es ruhiger – Zeit um zu arbeiten

und Zeit zu Essen

Night VFR Landung am Rückweg in Martin State – Baltimore

Wir haben Pech, alle Hotels ausgebucht. Also ein Hotel in der Pampa von Maryland und FastFood mit Spielautomaten am Tisch. Das Taxi zurück ins Hotel nimmt keine Kreditkarten – durchaus ein Problem in Amerika wenn man kein Bargeld hat. Am nächsten Morgen beommen wir dafür Begleitschutz, hier in Martin State ist der Stammsitz von Lockhead Martin, ein Riesenkomplex mit Kampfflugzeugen aller Art:

Hier steht mehr als in Zeltweg

A10 Thunderbolt beim Start

die zweite A10

wir fühlen uns jetzt sicher und starten in Richtung Houlton, Maine

schlechtes Wetter kässt uns nach Bangor ausweichen

Antonov ist schon hier – das größte Frachtflugzeug der Welt

nach dem Tanken geht es weiter nach Goose Bay – schlechtes Wetter in 6.000 Meter

die TKD Enteisung arbeitet – beruhigend, es funktioniert

zurück in Goose Bay – die riesigen Flächen waren für den Kalten Krieg konzipiert

am schmucken Hotel North ist nicht vorbeizukommen

wir müssen über Grönland zurück – dort erwartet uns schon ein Föhnsturm

das Bild ist nicht verwackelt – es gibt 45 Knoten Windböen (80 km/h)

wir fliegen über den Gletscher aus – das ist nicht für jeden Magen verträglich

50 km Sicht – aber gesperrter Luftraum – schwer zu verstehen

Abenddämmerung am Weg nach Island

Blue Lagune in Reykjavik – die gute Seite der Vulkane

Ab hier wird es wieder schwieriger, der Vulkan ist aktiver als letzte Woche und für Samstag Mittag ist eine Flughafensperre angekündigt. Mit Unterstützung des FBO erhalten wir die Erlaubnis VFR (nach Sicht) rauszugehen, nicht unbedingt bestes Wetter aber wir wissen dass die Wolken nicht sehr hoch sind. Nach knapp 4.000 Fuß sind wir auch schon über den Wolken und bitten um die Erlaubnis, den Vulkan aus der Nähe sehen zu dürfen. Es ist das erste mal, dass ich mich freue einen Kolbenmotor zu haben, dank unseres Luftfilters haben wir die Einschränkungen der Turboprops nicht. Eyjafjallajökull bietet uns ein tolles Schauspiel:

aus der Ferne

ganz nahe – er ist sichtlich aufgeregt

und weiblich – ein Frauenkopf steigt aus dem Vulkantrichter

wir überfliegen die Färöer Inseln – auf dem Weg nach Bergen, Norwegen

schönes Wetter im Anflug auf die Fjorde Bergens

Anflug auf Flesland, Bergen – unser letzter Zwischenstopp

Am nächsten Tag fliegen wir unseren letzten Leg, wir wollen nach Innsbruck. Über Deutschland meldet sich die Flugsicherung und möchte dass wir in Nürnberg landen. Innsbruck sei geschlossen wegen der Vulkanasche!!

Wir können das nicht glauben, eben noch am Vulkan vorbei gestartet will man uns 2.000 km weiter nicht mehr fliegen lassen. Es gelingt uns mit dem Hinweis in Linz landen zu wollen dann doch noch zumindest bis nach Salzburg zu kommen.

Wir sind 61 Stunden reine Flugzeit an 9 Reisetagen geflogen, Mooney hat sich als zuverlässige und stabile Plattform unter allen Bedingungen wieder bewährt.

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