Nun hat auch die Luftfahrt ihre Schweinegrippe, sie heißt Eyjafjallajökull! Seit dem ersten Husten des Vulkans werden wir mit Sperren von Luftraum und Flughäfen beschützt. Was wenn der Vulkan noch Jahre so weiter macht?
Die großen “Bedrohungen” der letzten Jahre haben oft zu vergleichbaren Überreaktionen geführt haben (1970 hatte uns der Club of Rome die Grenzen des Wachstums vorausgesagt – seitdem ist die Industrieproduktion um ein Vielfaches gestiegen, das Waldsterben ist letztlich ausgeblieben, das Ozonloch scheint jetzt wieder vergessen, trotz CO2 Problem mit zugehöriger Klimaerwärmung hatten wir schneereiche Winter; der Vogelgrippe verdanken wir Hunderttausende von Atemmasken, der Schweinegrippe Millionen von Impfdosen ….). Ich fürchte nur, dass diesmal niemand daran verdient, der Flugverkehr ist ja nicht wirklich zu ersetzen.
Zwei Wochen zuvor hatte mich der erste Vulkanausbruch noch Tage in den USA festgehalten, diesmal fliegen wir zur Convention der US Skigebiete mit der Mooney Ovation N921KT – einem einmotorigen Reiseflugzeug – und nicht mit Linie. In der Hoffnung dass uns die Vulkan-bedingten Sperren der Lufträume nicht mehr betreffen werden. Das ist nicht unbedingt die schnellste Art zu reisen, bietet aber deutlich mehr an Eindrücken. Wir hatten jedenfalls die Gelegenheit den Vulkan aus unmittelbarer Nähe zu bewundern:
Eyjafjallajökull bei der Arbeit
Die Asche färbt den Schnee braun
Die Aschewolke zieht nach Süd-Osten und verdünnt sich zusehends
Es ist meine dritte Atlantiküberquerung, trotzdem sind neuerlich hunderte von Seiten über Regularien zu lesen und die aktuellen Karten zu besorgen. Insbesondere die Einreise in die USA mit dem Privatflugzeug ist kompliziert geworden. Das Flugzeug benötigt eine Zollplakette (decal), um die zu bekommen muss man einen Account anlegen, die Jahresgebühr bezahlen und warten (die Decal Nummer benötigt man fürs EAPIS). Man legt einen Account bei EAPIS an (dem electronic advanced passenger information system), besorgt Visa für alle Mitflieger etc. Mit Rettungsboot, Satelliten Telefon, Notration, Signalraketen und PLB (Personal Locator Beacon, ein Notsender der im Falle die GPS Position an einen Satelliten sendet) sind wir gut ausgerüstet. In Summe kommen schon einige Tage an Vorbereitung zusammen.
Theoretisch kürzeste (16.000 km) und geflogene Route (19.000 km)
Unser Plan führt uns am ersten Tag über einen Tankstopp in Wick (Schottland) bis nach Island, wo wir übernachten wollen.
Schönstes Wetter beim Abflug in Innsbruck
PIC & CO
Ankunft über Schottland nach 6 h 40′ Flugzeit
Wir treffen hier zwei Diamond DA 42 aus Österreich, Martin und Mathias sind auf Überführungsflug damit. So haben wir auf dem zweiten Leg nach Island etwas mehr Unterhaltung. Nach knapp 4 h 30′ erreichen wir Island, das unter einer Wolkendecke liegt. Wir werden im Norden am schlafenden Vulkan vorbeigeleitet.
Eyjafjallajökull schläft im Hintergrund
Wir übernachten in Island und sind am nächsten Morgen wieder abflugbereit. Leider ist heute – Freitag – ein lokaler Feiertag in Grönland, unserem nächsten Tankstopp. Wir beschließen mit Mathias und Martin in Formation zu fliegen und uns die Öffnungsgebühr (die man in Grönland am Feiertag verlangt) zu teilen.
bereit zum Abflug in Reykjavik
Schnee und Eis auch über Grönland
Grönlands Gletscher bei der Schollenproduktion
Flughafen Narsarsuarq – hier gibts keine Alternative dazu
ein unkonventioneller Endanflug über die Bauarbeiten auf der verkürzten Piste
der teuerste Flughafen der Welt
Martin & Mathias von Diamond beim Sprit bunkern
Hier herrscht noch Seeräuber Mentalität, ich wünsche niemandem dass er an einem Feiertag in Grönland landen und tanken muss.
Ausflug über den Fjord in Richtung Kanada – für 1.200 km Wasserstrecke
Kanada – Goose Bay empfängt mit minimalen Sichtbedingungen
nasskaltes und unfreundliches Wetter in Goose Bay
Wir sind gerade noch rechtzeitig, um in Goose Bay etwas zu essen zu bekommen. In Richtung Westen zu fliegen ist ja etwas einfacher, da man mit jedem Leg Zeit gewinnt. Am nächsten Morgen – Samstag – sind wir schon um 06:00 Uhr auf, ich checke das Wetter (ist besser geworden) und meine EMails. Wir haben Glück, unser Passenger Manifest bei EAPIS ist angenommen worden, das Ansuchen per Web Service hatte mich am Vorabend noch 1,5 Stunden gekostet. Mit einem Anruf beim lokalen Zoll in Houlton avisieren wir unsere Ankunft um keine Probleme mit dem CBP Officer zu haben und starten.
Wurde beim Abzug der Luftwaffe aus Goose Bay offenbar hier vergessen
Wir fliegen hier unseren ersten IFR Approach auf einen unkontrollierten Flughafen. Es gibt keinen Tower, man setzt Blindmeldungen über seine Position ab, horcht ob sich noch wer im Platzverkehr befindet und landet. Sehr ungewöhnlich für uns Europäer, aber es funktioniert bestens (geschlossene Flughäfen sind in den USA unbekannt!!). Houlton ist ein kleines Nest an der Kanadischen Grenze. Wir rufen den Zoll an und müssen im Flugzeug sitzen bleiben, bis nach 1/2 Stunde zwei Officer kommen. Nach einer weiteren halben Stunde sind wir offiziell eingereist, Papiere kontrolliert und Slip im Pass eingeheftet. In Summe sehr freundlich und nett.
Ab hier beginnt das fliegerische Paradies. Wenn der Sprit in Europa Euro 2,20 pro Liter kostet, in Grönland gar Euro 3,-, so bezahlt man in den USA unter Euro 1,– pro Liter. Die Flugplanaufgabe macht man in 10 Minuten über eine kostenlose Telefon Nummer, und eine Rejection wegen eines unzulässigen Routings gibts nicht, der Briefer hilft mit viel Geduld und Freundlichkeit. Wir fliegen unseren zweiten Leg des Tages und wollen nach Baltimore, das liegt auf halber Strecke nach Florida.
In der Einflugschneise des JFK – die Airliner kreuzen unter uns Richtung New York
vorbei an New York nach Baltimore – die busy Washington Area
Landung in Martin State – Baltimore
Wir haben hier unser erstes Dinner im Freien, bei +30 Grad Außentemperatur. Ich versuche Crab Cakes, eine Spezialität in Maryland. Nach einer kurzen Nacht geht es am nächsten Tag weiter zu unserem finalen Ziel in Florida.
Anflug auf den Airport Kissimee – benachbart zu Orlando International
Ein Flughafen ist hier in den USA eine normale Verkehrsfläche, Du kannst Dich mit dem Auto am Flugzeug abholen lassen (Achtung: Linie funktioniert anders!!). Und es ist herrlich was hier so alles herumsteht.
Hier raucht das Flugzeug – nicht der Pilot
und der wartet auf ein neues Leben
unser Ausflug nach Miami – zum Beweis der Temperatur Frage = +35° Celsius
Lukas beim Brunch in Miami Beach
Ready to Go in Orlando für den Rückflug nach Innsbruck
Gewitter beim Abflug aus Florida
später wird es ruhiger – Zeit um zu arbeiten
Night VFR Landung am Rückweg in Martin State – Baltimore
Wir haben Pech, alle Hotels ausgebucht. Also ein Hotel in der Pampa von Maryland und FastFood mit Spielautomaten am Tisch. Das Taxi zurück ins Hotel nimmt keine Kreditkarten – durchaus ein Problem in Amerika wenn man kein Bargeld hat. Am nächsten Morgen beommen wir dafür Begleitschutz, hier in Martin State ist der Stammsitz von Lockhead Martin, ein Riesenkomplex mit Kampfflugzeugen aller Art:
Hier steht mehr als in Zeltweg
wir fühlen uns jetzt sicher und starten in Richtung Houlton, Maine
schlechtes Wetter kässt uns nach Bangor ausweichen
Antonov ist schon hier – das größte Frachtflugzeug der Welt
nach dem Tanken geht es weiter nach Goose Bay – schlechtes Wetter in 6.000 Meter
die TKD Enteisung arbeitet – beruhigend, es funktioniert
zurück in Goose Bay – die riesigen Flächen waren für den Kalten Krieg konzipiert
am schmucken Hotel North ist nicht vorbeizukommen
wir müssen über Grönland zurück – dort erwartet uns schon ein Föhnsturm
das Bild ist nicht verwackelt – es gibt 45 Knoten Windböen (80 km/h)
wir fliegen über den Gletscher aus – das ist nicht für jeden Magen verträglich
50 km Sicht – aber gesperrter Luftraum – schwer zu verstehen
Abenddämmerung am Weg nach Island
Blue Lagune in Reykjavik – die gute Seite der Vulkane
Ab hier wird es wieder schwieriger, der Vulkan ist aktiver als letzte Woche und für Samstag Mittag ist eine Flughafensperre angekündigt. Mit Unterstützung des FBO erhalten wir die Erlaubnis VFR (nach Sicht) rauszugehen, nicht unbedingt bestes Wetter aber wir wissen dass die Wolken nicht sehr hoch sind. Nach knapp 4.000 Fuß sind wir auch schon über den Wolken und bitten um die Erlaubnis, den Vulkan aus der Nähe sehen zu dürfen. Es ist das erste mal, dass ich mich freue einen Kolbenmotor zu haben, dank unseres Luftfilters haben wir die Einschränkungen der Turboprops nicht. Eyjafjallajökull bietet uns ein tolles Schauspiel:
ganz nahe – er ist sichtlich aufgeregt
und weiblich – ein Frauenkopf steigt aus dem Vulkantrichter
wir überfliegen die Färöer Inseln – auf dem Weg nach Bergen, Norwegen
schönes Wetter im Anflug auf die Fjorde Bergens
Anflug auf Flesland, Bergen – unser letzter Zwischenstopp
Am nächsten Tag fliegen wir unseren letzten Leg, wir wollen nach Innsbruck. Über Deutschland meldet sich die Flugsicherung und möchte dass wir in Nürnberg landen. Innsbruck sei geschlossen wegen der Vulkanasche!!
Wir können das nicht glauben, eben noch am Vulkan vorbei gestartet will man uns 2.000 km weiter nicht mehr fliegen lassen. Es gelingt uns mit dem Hinweis in Linz landen zu wollen dann doch noch zumindest bis nach Salzburg zu kommen.
Wir sind 61 Stunden reine Flugzeit an 9 Reisetagen geflogen, Mooney hat sich als zuverlässige und stabile Plattform unter allen Bedingungen wieder bewährt.













